Porträt

Jugend

Bis 12, 13 war ich ein sehr braves, ruhiges Kind. Ich bin in sehr einfachen Verhältnissen in einer Arbeiterfamilie wohlbehütet und als Einzelkind aufgewachsen. Im Pubertätsalter wurde ich schwierig und war eine Herausforderung für alle Erziehenden. Ich fing an, alles zu hinterfragen: Familie, Gesellschaft, Schule, Autoritäten usw. Dabei exponierte ich mich stark. Bisweilen war ich provozierend und manchmal auch verletzend.

Die Konsequenzen spürte ich bald: Es war schwierig in der Schule, ich konnte nicht studieren, was ich wollte…Ich musste erfahren, dass sich nichts verändert, wenn ich einseitig alles in Frage stelle. Ich war gezwungen, meine Methode zu ändern. Das führte mich zu einer ruhigeren Art des kritischen Hinterfragens.

 

Beruf

Schärli

Mein Traumberuf war Journalistin oder bei der UNO zu arbeiten. Ich liebte Sprachen, den Austausch mit anderen Menschen. Ich wäre gerne zum Radio gegangen. Doch es fehlten die Vorbilder. Meinen Eltern waren meine Berufswünsche fremd. Sie hatten mich für einen ordentlichen Weg – zum Beispiel Postangestellte – erzogen. Ein Lehre wollte ich nicht absolvieren, zu sehr befürchtete ich Auseinandersetzungen mit Vorgesetzten. So blieb ich in der Schule, setze auf Sprachen und absolvierte die Töchterhandelsschule.

Der Kaufmännische Beruf gefiel mir nicht. Ich suchte eine Arbeit im sozialen Bereich in Alters- und Pflegeheimen und in Jugendinstitutionen. Dort fühlte ich mich wohl. Tanzen ist die kreative Seite meiner Persönlichkeit, denn im Grunde genommen bin ich ziemlich strukturiert. So beschloss ich, diese kreative Seite zu entwickeln und sie als Hilfskraft in Pflege und Betreuung zu finanzieren. Viele Jahre unterrichtete ich als Tanz- und Atempädagogin und gab Kurse in Geburtsvorbereitung.

 

Familie

Kinder

Die Familiengründung hatte ich lange Zeit hinausgezögert, weil ich die Welt erleben wollte. In jungen Jahren war ich viel unterwegs. Dann kam mein erster Sohn zur Welt, es folgten eine Tochter und ein zweiter Sohn.

Als Mutter bin ich nicht wie im Beruf, wo ich die Auseinandersetzung suche. Daheim bin ich eher harmoniebedürftig. Ich denke, ich war eine Mutter, die Freiheiten zuliess aber auch die Grenzen klar setzte. Meine Kinder und wir Eltern haben heute noch regen und sehr guten Kontakt. Mir war es immer wichtig, dass wir unterschiedlichen Meinungen und Lebensmodelle austauschen konnten – dies aber in einer guten Form.

 

Politik

Yvonne Schärli

Politisiert wurde ich durch meinen SP-Vater. Von Kindsbeinen an hatten wir am Mittagstisch politische Gespräche geführt. „Du musst dich wehren, dich engagieren“, sind heute noch Worte, die ich vom Vater in meinen Ohren habe. Mein Vater war aber auch der Grund, weshalb ich ziemlich spät in die SP eingetreten war. Lange Zeit wollte ich nicht in der gleichen Partei sein wie er. So wurde ich erst in 80erjahren SP-Mitglied.

Politisiert haben mich aber auch Fragen rund um die Familie: Kinderbetreuung, zwei Jahre Kindergarten, Mittagstisch usw. Nachdem meine Familie in Ebikon ansässig geworden war, gründeten wir einen Quartierverein, forderten Veränderungen beim Schulweg, eine Renaturierung des Bachs, der durch unser Quartier floss und bald schon meldete ich mich als Mitglied für die Schulpflege. Dort merkte ich, wie viel zu erreichen ist, wenn man sich engagiert und Verbündete sucht.

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